Bruder Klaus

 
 
Adresse: Markgrafenstr. 36 in 78467 Konstanz
 
Die Bruder Klaus-Kirche war die erste Kirche, die nach dem 2. Weltkrieg in Konstanz (1955/56) erbaut wurde. Nach den grausamen Kriegsjahren sprach jeder von Frieden, und so war man sich ganz schnell einig, dass der große Friedensheilige Bruder Klaus Schutzpatron der Kirche werden sollte. Die Bruder Klaus-Kirche sollte einerseits der Dank an Bruder Klaus sein, denn er hat im Jahr 1482 im Streit zwischen der alten Bischofstadt Konstanz und den Eidgenossen, der Landvogtei Thurgau, mit seinem Rat den Frieden vermittelt. Dieses Vermittlungsschreiben wird noch heute im Rosgartenmuseum aufbewahrt. Andererseits soll diese Kirche Mahnmal für den Frieden sein.
 
Wenn wir vor der Kirche stehen, grüßt uns zuerst links der 34m hohe Kirchturm mit drei Glocken, die uns zum Gottesdienst rufen. Wenn wir auf die Kirche schauen, lässt uns der erste Blick bereits die Großplastikgruppe von Professor Sutor erkennen: „Die Hochzeit zu Kana“. Diese Darstellung gibt den Bezug auf das Geschehen in der Kirche: Jesus Christus lädt alle Gläubigen zum Festmahl der Eucharistie. Die sechs steinernen Wasserkrüge stellen die werktäglichen Sorgen und Mühen dar, die wir Jesus bringen sollen, damit er sie wandeln kann im sonntäglichen Gottesdienst in Gnade, Kraft und Segen für den Alltag des Lebens.
 
Betritt man die Kirche, ist man überrascht von der lichten Weite des Raumes, der durch die Schlichtheit der großzügigen Verglasung der Fenster in farbigem Betonglas unterstützt wird. Das gewaltige Relief hinter dem Altar stammt von dem Schwenninger Bildhauer Oscar Steidle. Dieses Bild stellt den wiederkehrenden Christus dar, der in Macht und Herrlichkeit zum Endgericht erscheint. Alles ist auf Christus hingeordnet. Er ist „der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“.
Auf der rückwärtigen Seite gibt uns der Blick die große dreimanualige Reiser-Orgel aus dem Jahre 1960 frei. Dieses Meisterwerk umfasst 35 Register mit insgesamt 2402 Pfeifen.

Unter der Empore ist zwischen den Eingangstüren die Bruder Klaus-Kapelle. Das Altarkreuz stammt von dem Lindauer Künstler Willi Veit. Dieses Kreuz zeigt uns u. a. die Heiligen unserer Heimat Sankt Konrad, Sankt Gebhard, Sankt Suso und Bruder Klaus. Die 27 Fenster zeigen Visionen von Bruder Klaus.
Vieles könnte man noch berichten. Doch kommen Sie einfach und Sie werden die Schönheit und die Vielfalt dieses Gotteshauses selbst kennen lernen.

Hubert Siebenrok

 
 

Nikolaus von Flüe (Geburtsname von Bruder Klaus), auch Klaus genannt, wurde am 21. März 1417 auf dem Sachselnberg oberhalb des Ortes Sachseln und des Sarner Sees geboren.

Auch wenn er im Kindesalter „nur“ als Bauernsohn aufwuchs, so war Klaus schon in jungen Jahren ein angesehener Mann, und er wurde schon sehr früh Ratsherr, Bürgermeister, Richter und Vertreter des Kantons Obwalden. Als Hauptmann führte er die Soldaten der Eidgenossen in mehreren Feldzügen an. Durch diese Ämter erfuhr Klaus all die Spannungen seiner Zeit und die Folgen des Unfriedens. Doch Klaus hat von Kindheit an so wunderbar das Wort Jesu verstanden: Frieden zu bringen und wo Unfriede herrscht, als Wegbereiter des Friedens zu wirken. So nahm Klaus diese Ämter schon damals als Zielsetzung: Sorge und Verantwortung zu tragen für den Frieden im eigenen Volk und zwischen den Völkern.

1447 heiratete Klaus Dorothea Wyss. Für sie und die Kinder baute er das Wohnhaus in Flüeli, das noch heute in schweigender Ehrfurcht besucht werden kann. Dieses Haus war erfüllt von einem Leben der Liebe, der Arbeit und des Gebetes, von einem Leben voll Kinderlachen und Frohsinn von fünf Buben und fünf Mädchen, aber auch von einem Leben der Tränen.

Dieser Unfriede, den er als Hauptmann, aber auch die Korruption, der Egoismus und die Machtgier, die er als Ratsherr und Richter erlebte, sorgten dafür, dass immer mehr der Gedanke in ihm wuchs, nur noch für Gott da zu sein. Deutlich hörte Klaus diesen Ruf. Unterstützt wurde dieser Ruf durch das Jesuswort: „Wahrlich, ich sage euch: Jeder, der Haus, Bruder, Schwester, Vater, Mutter, Frau und Acker um meinetwillen verlässt, wird hundertmal so viel dafür erhalten.“ In vielen schlaflosen Nächten rang Klaus im Gebet, ob dies auch Gottes Wille sei, und so verließ er am 16. Oktober 1467 Familie, Haus und alles, was ihm so lieb war.

Von diesem Zeitpunkt an wird er von den Mitmenschen liebevoll Bruder Klaus genannt. Die letzten 20 Jahre seines Lebens verbrachte dann Bruder Klaus als Eremit in der Ranft im Melchtal. Dort erhielt Bruder Klaus schon zu Lebzeiten die Gnade als Friedenstifter tätig zu sein und so wurde er sehr schnell zum großen Ratgeber. Tausende Menschen kamen zu ihm, um seinen Rat zu hören.